Eduard Müller

Der 1911 in Neumünster in eine kinderreiche mittellose Familie geborene Eduard Müller hatte einen schweren Weg zur Priesterschaft. Zunächst machte er eine Lehre zum Tischler. „Lange Zeit glaubte ich, daß mein Wunsch Priester zu werden, wegen der finanziellen Verhältnisse unserer Familie nicht zu verwirklichen sei“ schrieb Müller später einmal.

 

Den Weg zum Abitur beschritt er auf dem zweiten Bildungsweg. Das Schulgeld und Wohngeld brachten Menschen aus Eduards Heimatgemeinde in Neumünster auf, die ihn unterstützen wollten. Oft reichte dies nur so gerade eben und der fleissige Schüler litt sehr unter seiner Armut. Doch sein klares Ziel ließ ihn nicht verzweifeln.


Reiselustig unterwegs in Europa

Nachdem Eduard Müller im März 1935 sein Abitur abgelegt hatte, nahm er im April das Studium der Theologie in Münster auf. Währenddessen unternahm er lange Reisen mit jungen Männern der dortigen katholischen Gemeindejugend, die ihn quer durch Deutschland, nach Italien, Jugoslawien und schließlich bis Syrien führten. Seine Reisen dokumentierte er mit der Kamera.


Der Priester Eduard Müller

1940 erhielt er die Priesterweihe im Dom von Osnabrück. Anschließend begann er seine praktische Priesterausbildung an der Herz Jesu Gemeinde zu Lübeck. Freundlich und unautoritär gestaltete er dort die Jugendarbeit.


Aus den Erinnerungen von Gerhard Nürnberg

„Ich war 12 Jahre alt. Jugendarbeit war damals nur möglich unter dem Vorzeichen 'Messdiener', d.h. die Nationalsozialisten erlaubten nur eine rein kirchlich geprägte Jugendarbeit. (….) Ich durfte bei Eduard Müller gleich eine Messdienergruppe übernehmen, als er 1940 gekommen war.(...)

 

Eduard Müller hatte einen sehr großen Zuspruch bei den Jugendlichen. Das war der HJ (…) ein Dorn im Auge. (…) Er baute zusammen mit uns Jugendlichen 1941 den Kohlenkeller unter der Kirche aus. Es sprach sie ganz schnell herum, welch großen Einfluss er auf die Jugendlichen hatte, wenn er mit ihnen bastelte, arbeitete oder mit ihnen Radtouren unternahm. Im Sommer gingen wir an den Sonntagmorgenden um 7.30 in die Kirche und anschließend fuhren wir mit den Rädern los, wenn es das Wetter zuließ. Wir waren meist so 10 bis 12 Jugendliche und fuhren in die Umgebung, z.B. zum Beidendorfer See, nach Ratzeburg, an die Trave.“


Seine familiäre Herkunft, die handwerklichen Fähigkeiten und die eigene Erfahrung von Armut führte dazu, dass er sich sehr gut in Menschen hineinversetzen konnte, die in einfachen Verhältnissen lebten und ihre Probleme ohne große Erklärungen verstand. Wegen seines ausgeprägten pädagogischen Talents versuchten die Nationalsozialisten, ihn für Aufgaben in der Hitlerjugend abzuwerben, was Müller ausschlug.


Selbst betrachtete er sich als „eigentlich unpoli­tisch“. Doch die Lebenspraxis des sanftmütigen Geistli­chen passte nicht in die Zeit strammer Zucht und Ordnung. Wie seine Kollegen Johannes Prassek und Hermann Lange beteiligte auch er sich an der Vervielfältigung und Verteilung regimekriti­scher Schriften und ließ bei seinen Gruppentreffen das offene Wort zu.

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02. September 14.30 Uhr

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